Künstlerische Ausbildung
Sabine Schramm schloss ihre künstlerischen Studien mit dem staatlichen Diplom in Schauspiel und dem staatlichen Diplom in Figurenspiel ab. Darüber hinaus absolvierte sie ein Studium mit dem Schwerpunkt Bildende Kunst und dem Ersten Staatsexamen für das Lehramt sowie weitere akademische Studien in Personalentwicklung und Theater- und Musikmanagement.
Bereits während ihrer Ausbildung beschäftigte sie sich mit den Beziehungen zwischen Darstellender und Bildender Kunst. An der Internationalen Sommerakademie Salzburg entwickelte sie in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Fluxus-Künstler Dick Higgins eigene Performances. Als Stipendiatin vertiefte sie bei dem Bildhauer Josef Zenzmaier ihre Kenntnisse in Bildhauerei und Bronzeguss. Auch die Gestaltung von Bühnenräumen, Kostümen und Theaterfiguren wurde Teil ihrer künstlerischen Praxis.
Schauspiel, Figurenspiel und Regie
Ihre künstlerischen Engagements führten Sabine Schramm unter anderem an die Staatsoper Stuttgart, das Saarländische Staatstheater Saarbrücken, das Staatstheater Regensburg, das Volkstheater Rostock, das Landestheater Tübingen und das Theater Altenburg Gera. Weitere Arbeiten entstanden am Theater Rampe Stuttgart, beim Chiemgau Opernfestival Gut Immling sowie für den Deutschen Pavillon der EXPO 2000 in Hannover.
Ihr Rollenspektrum reicht von Antigone und Medea über Celimène in Molières „Der Misanthrop“, Charlotte in Goethes „Wahlverwandtschaften“ und Lotte in „Die Leiden des jungen Werther“ bis zu Arbeiten nach Shakespeare, Ionesco und Brecht sowie zeitgenössischen Stücken wie Theresia Walsers „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“, als Imelda Marcos. Neben ihrer Ensemblearbeit entwickelte sie eigenständige Bühnenformate, darunter Schauspiel- und Figurentheatersoli sowie musikalische und kabarettistische Programme.
Zu ihren künstlerischen Partnern zählen unter anderem die Regisseure Holk Freytag und Frank Soehnle. An der Staatsoper Stuttgart wirkte sie in Christoph Nels Inszenierung von Richard Wagners „Die Walküre“ mit. Beim Chiemgau Opernfestival Gut Immling erspielte sie in Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ mit lebensgroßen Figuren die Alter Egos der Opernfiguren.
Neben ihrer darstellerischen Arbeit führte sie Regie, unter anderem bei Joseph Haydns Oper „Die Feuersbrunst“, einer Koproduktion von Musik- und Puppentheater. Weitere künstlerische Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit Schauspiel- und Musiktheaterensembles sowie Musikerinnen und Musikern. An der Produktion „Der Joker“ mit dem Staatsballett Thüringen war sie als Initiatorin und Figurenspielerin beteiligt.
Theaterleitung und künstlerische Entwicklung
Von 2011 bis 2023 leitete Sabine Schramm das Theater im Zentrum der Stadt Gera und gehörte dem Leitungsteam des Theaters Altenburg Gera an. Sie verantwortete die künstlerische Entwicklung des Puppentheaters, die Spielplangestaltung und Ensemblearbeit sowie zahlreiche Produktionen, Kooperationen und Festivalprojekte.
2017 wurde das Theater Altenburg Gera für seine eigenständige, spartenübergreifende Programmgestaltung und seine gesellschaftlich engagierte künstlerische Arbeit mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet. An der Opernproduktion „Der Kaiser von Atlantis“ wirkte Sabine Schramm 2019 als Initiatorin und Puppenspielerin mit. Für die Regie dieser Produktion erhielt Kai Anne Schuhmacher den Götz-Friedrich-Studiopreis.
Seit 2023 widmet sie sich am Puppentheater Magdeburg neben der künstlerischen Entwicklung des Ensembletheaters insbesondere Zukunftsvorhaben, in denen ihre Erfahrungen aus künstlerischer Praxis, Theaterleitung und wissenschaftlicher Arbeit zusammenfinden.
Ein Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung von quartier p. – Europäisches Zentrum für Puppenspielkunst. Das Vorhaben soll künstlerische Produktion, akademische Ausbildung, Forschung, Sammlung und internationale Zusammenarbeit miteinander verbinden. Der ehemalige Bahnhof Magdeburg-Buckau wird dabei als künftiger Ort für künstlerische Begegnungen, Ausbildung und experimentelle Arbeitsformen entwickelt.
Gemeinsam mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch (HfS) Berlin und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart arbeitet sie an neuen Ausbildungsformaten für Puppentheaterregie.
Mit dem von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Forschungsprojekt ÜBERMORGEN verfolgt sie gemeinsam mit ihrem Team einen Forschungsansatz, der neue Möglichkeiten der Puppenspielkunst an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis, Materialgestaltung und digitalen Technologien untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zugleich in die Überlegungen zu einem möglichen Masterstudiengang Puppenbau einfließen, dessen Voraussetzungen und Entwicklungsperspektiven in Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg-Stendal evaluiert werden.
Auch an der konzeptionellen Neugestaltung der Mitteldeutschen FigurenSpielSammlung in der villa p. entsteht unter ihrer Leitung. Die gemeinsam entwickelte Grundkonzeption folgt der Leitfrage „Warum schafft der Mensch Abbilder von sich selbst?“. Darauf aufbauend entsteht eine Ausstellung, die historische und zeitgenössische Puppenspielkunst mit Forschung, künstlerischem Experiment und kultureller Vermittlung verbindet. Eine Museumsbühne sowie Räume für bildnerisches Gestalten und praktische Theaterarbeit sollen neue Formen der künstlerischen Begegnung ermöglichen.
Zu ihrer Intendanz gehören darüber hinaus das internationale Figurentheaterfestival blickwechsel, die Jugendkunstschule als eigenständige Sparte des Hauses sowie die stadtweit ausgerichteten KinderKulturTage. Sie stehen für internationale Begegnung, künstlerische Bildung und kulturelle Teilhabe.
Kunst, Lehre und Wissenschaft
Die akademische Lehre und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Bedingungen künstlerischer Arbeit begleiten Sabine Schramm seit vielen Jahren. Sie unterrichtete Schauspiel, Szenen- und Rollenstudium, Figurenspiel, die darstellerische Interpretation von Liedern und Arien sowie Rhetorik und Präsenz. Darüber hinaus entwickelte sie Ausbildungsformate und realisierte Inszenierungen mit Studierenden der Schauspiel- und Musikausbildung.
Lehrtätigkeiten führten sie unter anderem an die Akademie für Darstellende Kunst Regensburg, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg, die Universität des Saarlandes und die Technische Universität Kaiserslautern. Zudem arbeitete sie mit professionellen Schauspielensembles an der Verbindung von Schauspiel und Figurenspiel.
Ihre wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich insbesondere mit den Beziehungen zwischen Kunst, Führung, Personalentwicklung und Organisationskultur.
2009 erwarb sie den Master of Arts in Personalentwicklung an der Technischen Universität Kaiserslautern. Für ihre wissenschaftliche Arbeit „Personalentwicklung und Kunst – ein Widerspruch?“, in der sie die Übertragbarkeit von Instrumenten der Personalentwicklung auf künstlerische Organisationen untersuchte, erhielt sie 2011 den Alfons-Fleischmann-Preis für akademische Exzellenz.
2018 schloss sie als Stipendiatin den Weiterbildungsstudiengang Theater- und Musikmanagement an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Weiterbildungsdiplom ab. Der Studiengang ist eine Kooperation mit dem Deutschen Bühnenverein und der Bayerischen Theaterakademie August Everding.